Standorteffekte und Stadtentwicklungsimpulse von Bahnhofsinvestitionen

Standorteffekte und Stadtentwicklungsimpulse von Bahnhofsinvestitionen

Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Bahnhofsinvestitionen gehen weit über die mit der Bau- und Betriebsphase verbundenen Nachfrageeffekte hinaus. Aus mikroökonomischer Perspektive betrachtet profitieren Bahnkunden unmittelbar von der erhöhten Attraktivität eines Bahnhofs und seiner Umgebung. Ebenso sind auf makroökonomischer Ebene substanzielle Effekte damit verbunden. So kann die Investitionstätigkeit die Bau- und Geschäftstätigkeit in der Umgebung steigern und damit einen Impuls für die Stadtentwicklung auslösen. Stimulierende Effekte sind dabei nicht nur auf den städtischen Bereich beschränkt, denn auch für den ländlichen Raum ist festzustellen, dass mit Bahnhöfen eine erhöhte wirtschaftliche Dynamik verbunden sein kann.

Kaufkrafteffekte im Bereich der BahnhofCity Wien West

Die an den Wiener Westbahnhof angrenzenden Stadtviertel attrahierten in der jüngsten Vergangenheit vermehrt Einwohner mit einer über dem Bezirksdurchschnitt liegenden Kaufkraft. Verglichen mit der Entwicklung im übrigen 15. Bezirk verzeichnete die Umgebung des Westbahnhofs zwischen 2003 und 2011 einen höheren Zuwachs an verfügbaren Einkommen. Die Kaufkraft liegt zwar noch immer unter dem Durchschnitt der Stadt Wien, aber für den untersuchten Bereich ist im Unterschied zum restlichen Teil des 15. Bezirks eine signifikant bessere Entwicklung sowie ein Angleichungsprozess festzustellen.

Stadtentwicklungsimpulse durch den Bahnhofsumbau Praterstern

Bahnhöfe prägen wegen ihrer Größe ganze Stadtviertel. Sie sind in ihrem Erscheinungsbild und ihrer Funktionalität häufig ein mitentscheidender Faktor für die Entwicklung ihrer unmittelbaren Umgebung. In Wien wurden in den letzten zehn Jahren unter anderem der Westbahnhof und der Bahnhof Praterstern umgebaut, der neue Hauptbahnhof mit dem ihn umgebenden Stadtviertel wird ebenfalls in den kommenden Jahren vollständig fertiggestellt. Eine Analyse der geförderten Wohnbausanierungen zeigt, dass in der näheren Umgebung des Pratersterns nach dem Bahnhofsumbau vermehrt Sanierungen stattfanden. Auch rückte der Schwerpunkt der Investitionstätigkeit bei geförderten Immobiliensanierungen pro Flächeneinheit nach der Fertigstellung des Bahnhofs im Jahre 2008 näher an den Bahnhof heran.

Negatives Image rund um den Hauptbahnhof Linz passé

Beim Linzer Hauptbahnhof konnten in Hinblick auf die Anzahl der Wohnungsneubauten beziehungsweise Wohnungsrenovierungen keine statistisch relevanten Unterschiede zwischen den Sprengeln im unmittelbar an den Hauptbahnhof angrenzenden Viertel und dem Vergleichsgebiet (Altstadtviertel, Rathausviertel und Kaplanhofviertel) festgestellt werden. Im Aggregat liegt im Neustadt- und Volksgartenviertel nach dem Bahnhofsneubau eine höhere Immobilienbautätigkeit vor als im Durchschnitt der betrachteten Sprengel der Innenstadt von Linz. Für die beiden angrenzenden Viertel ging insgesamt ein positiver Impuls vom neuen Bahnhof aus, sodass diese Viertel eine überdurchschnittliche städtebauliche Aufwertung erfahren haben.

Regionale Wertschöpfung durch den Bahnhof Leibnitz als Nahverkehrs- und  Umsteigeknoten in der Südsteiermark

Im Juli 2012 erfolgte die Fertigstellung des neuen Bahnhofsgebäudes in Leibnitz, der als Nahverkehrs- und Umsteigeknoten in der südlichen Steiermark fungiert. Für das Gesamtprojekt (inklusive Personentunnel mit Liftanlagen, verglaste Wartekojen, vergrößertes Bahnhofsdach, elektronische Zugzielanzeigen etc.) wurde ein Investitionsvolumen von rund 4 Mio. Euro aufgewendet. Insgesamt wurde durch den Bahnhofsneubau in Leibnitz ein Bruttowertschöpfungseffekt im Ausmaß von 2,5 Mio. Euro in der Steiermark ausgelöst. Damit einher ging ein Beschäftigungseffekt im Umfang von 53 Personenjahren.

Betriebsansiedlungseffekte von Bahnhöfen

Bei der Wahl der Betriebsstätte spielt eine Vielzahl von Standortfaktoren eine Rolle, wobei eine gute Verkehrsverbindung sowohl beschaffungsseitig als auch absatzseitig von Bedeutung ist. Die Anbindung an die Verkehrsinfrastruktur bestimmt die Erreichbarkeit des Unternehmens für Lieferanten und Beschäftigte. Diese allgemein gültigen Aussagen werden für die Modellregion Weinviertel auf der Grundlage eines statistischen Modells bestätigt. Im Vergleich der Gemeinden im Weinviertel untereinander weisen Orte mit einem Bahnhof eine höhere Betriebsansiedlungsdynamik im Bereich des Gewerbes und des Handwerks auf. Darüber hinaus befinden sich unter den Gemeinden mit geringer Betriebsansiedlungsdynamik ausschließlich Gemeinden ohne Bahnhof. Während in Gemeinden mit Bahnhof die Entfernung von Wien keinen Einfluss ausübt, trägt die Nähe zu Wien für die restlichen Gemeinden signifikant positiv zur Gründungsintensität bei. Das Vorhandensein eines Bahnhofs oder einer Haltestelle kann demnach die Nähe zu Ballungsräumen beziehungsweise Metropolregionen zumindest teilweise aufwiegen, wobei die Unterschiede in der Modellregion erst ab einer Entfernung von 25 Kilometer von Wien auftreten.

Hauptbahnhof Wien

Der Hauptbahnhof Wien, konzipiert als Durchgangsbahnhof, ist ein zentraler Verkehrsknotenpunkt, der positive Auswirkungen für die Bahnkunden hat. Kürzere Fahrtzeiten, eine bessere Erreichbarkeit auch im Sinne von Barrierefreiheit und ein vielfältiges Angebot von Einkaufsmöglichkeiten sind zu erwarten. Darüber hinaus erfährt das gesamte Areal eine Aufwertung mit neuen Wohnungen und Arbeitsplätzen, die mit entsprechender sozialer Infrastruktur ausgestattet werden. Die gesamten Baukosten des Wiener Hauptbahnhofs von beinahe einer Milliarde Euro lösen einen totalen Bruttowertschöpfungseffekt von ca. 640 Millionen Euro in Wien beziehungsweise 790 Millionen in Österreich aus. Damit geht ein österreichweiter Beschäftigungseffekt von über 11.000 Jahresbeschäftigungsplätzen einher. Aufgrund der zentralen Lage des Hauptbahnhofs wird sich zugleich die durchschnittliche Wegzeit aller Wiener Arbeitnehmer laut einer Simulationsrechnung reduzieren. Der daraus erwachsende volkswirtschaftliche Nutzen entspricht in etwa 4 Millionen Euro pro Jahr.

Konjunkturelle Effekte von Infrastrukturinvestitionen

Das im Rahmenplan 2014-2019 vorgezeichnete Investitionsprogramm für die Bahninfrastruktur erzeugt eine planbare und kontinuierliche Nachfrage nach Bauleistungen, die speziell in Phasen mit allgemein geringem Wirtschaftswachstum einen nicht unbedeutenden Beitrag für die Entwicklung beziehungsweise Stabilität der Gesamtwirtschaft erbringt. Der Bruttowertschöpfungseffekt der Eisenbahn-Infrastrukturinvestitionen während der Bauphase ist in den Jahren 2013 bis 2019 jeweils höher als 0,5 Prozent der Wertschöpfung Österreichs im Jahr 2013. Damit verbunden ist ein Beschäftigungseffekt von durchschnittlich 24.000 Jahresbeschäftigungsplätzen in diesem Zeitraum. Die Bedeutung von Bahnhofsinvestitionen kommt besonders in den Jahren 2013 und 2014 zum Tragen, in denen jeder fünfte Euro aller Infrastrukturinvestitionen für diesen Zweck aufgewendet wird.

 

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